Bikepacking CT Tag 6: Sonntagsfährtli zum Weltuntergang

Wie es sich für einen Sonntag gehört, gönnten wir uns heute etwas mehr Zeit und einen feinen Brunch vor dem Start.

Gestern hatten wir uns mal wieder in bewährter Manier einen Teil eines bereits besetzten Zeltplatzes bei vier jungen Leuten aus Denver erschwatzt. Und nebenbei am Lagerfeuer unsere Englischskills auf Vordermann gebracht und so einiges über Land&Leute hier in Colorado erfahren.

Zum Beispiel, dass hier aktiv Wölfe wiederangesiedelt werden – mit den uns aus der Heimat bekannten Freuden und Leiden.

Nun, die empfindlich kühlen Nachttemperaturen bereiteten uns grössere Sorgen als allfälliges Wolfsgeheul.

Zu unserer Überraschung und Freude bekochten uns die neusten Zeltplatzfreunde vor unserer Weiterfahrt heute Morgen mit French Toast (Fotzelschnitten), Scrambled Eggs (Rührei) und Kaffee! Thank you soooooo much guys, we really appreciated it!

Auf dem Bikeprogramm stand dann heute für einmal eine etwas weniger anstrengende Sonntagsfahrt: Nebst einigen schönen und flüssigen Abschnitten des Coloradotrails vor allem auch zwei gut rollende Umfahrungen von Wilderness-Areas, in denen biken leider verboten ist.

Doch erstens kommt‘s anders, und zweitens als man denkt. Schon nach 5 km stiessen wir auf Absperrungen mit eindeutiger Botschaft: die Region, durch die unsere heutige Etappe führen würde, war infolge Waldbränden gesperrt!

Mit etwas Improvisation im – nennen wir es halblegalen Bereich – gelang es uns dann aber doch, auf den Coloradotrail zu gelangen.

Und den Erlebniswert unseres Sonntagsfährtlis umgehend um den Faktor 100 zu erhöhen!

Wirklich eindrücklich und definitiv beängstigend: so stellt man sich die Apokalypse vor. Alles verkohlt, keine Lebewesen, gespenstische Ruhe.

Um dann wenige Kilometer später um die Ecke zu biegen und sich wie im falschen Film zu fühlen. Mitten im Wald, alles grün, keinerlei Brandgeruch. Glück gehabt, die Welt scheint wenigstens bis zum Ende unseres Colorabenteuers nicht unterzugehen…

Der Interlaken-Trail spuckte uns schliesslich beim nächsten Stausee, dem Clear Creek Reservoir aus.

Nun hiess es „Kette rechts“, Kopf runter und auf einem stillgelegten Bahntrassee bis nach Buena Vista zum Zmittag brettern.

Nach drei Tagen freuten wir uns auf eine Dusche.

„Mount Princeton Hot Springs Resort“ tönte verlockend. Und die Aussicht auf ein bequemes und warmes Bett, feines Essen und ein Bad im warmen Pool verlieh uns dann trotz sengender Hitze Kraft und Motivation für den Schluss der heutigen Etappe.

Weltuntergangsstimmung gab‘s zwar keine mehr, härter als erwartet war‘s trotzdem.

Und auch wenn die Rechnung gesalzen, die Pools bereits geschlossen, der Znacht eine Schnellpizza vom „Princeton-Market“, die Waschmaschine nur für Angestellte und selbst WLAN im Zimmer nur Wunschdenken ist – es fühlt sich richtig gut an hier.

Wir sind uns nicht sicher, ob morgen wirklich Montag ist…