So, da sitzen wir also. Es regnet wie aus Kübeln, zudem ist es unangenehm windig und frisch geworden. Zum Glück hat die Firma Fritschi ihrem Firmengebäude ein Vordach spendiert unter welches wir uns verkriechen können, kurz nachdem Petrus all seine Schleusen geöffnet hat.
Da regnet es wenistens nur von der Seite.
Jetzt hängt jeder an seinem Handy und versucht verzweifelt, diese eine rettende Nummer anzurufen, aber niemand geht ran. Das wäre auch zu einfach!

Zwischendurch sind Flüche zu hören, die mich an das legendäre Video erinnern, in welchem ein Biker namens «Dunslerä» auf dem Trail seine Steckachse verloren hat. «Mingere Schiissdräck» halt.
Dabei sassen wir doch gefühlt vor wenigen Augenblicken noch bei Sonnenschein im Frutigresort und prosteten uns mit Bier und Kuchen gegenseitig auf einen wirklich hammergeilen Tag zu. Wer hätte zu dem Zeitpunkt erahnen können, welches Drama sich wenig später auf dem verlassenen Parkplatz in Reichenbach abspielt. Jetzt sitzen wir da!
Begonnen hatte besagter Tag bereits um 6.30 Uhr. Da fanden sich ganze vier verwegene Mountainbiker ein, um die Mutter aller Zornestouren zu bezwingen. Aufgrund der überschaubaren Teilnehmerzahl hatte Pädu uns spontan die Wahl gelassen zwischen einer zornigen Tour und «DER ZORNIGEN TOUR». Die Wahl fiel einstimmig aus, jedoch erst, nachdem jeder seinen «mingeren» Formstand bekundet, und wir uns auf ein vertretbares Fahrtempo verständigt hatten. Und so fuhren wir in Reichenbach auf einer Höhe von 700m los.
Dass dabei einer der Teilnehmer bereits mit einem Schleicher den Parkplatz verlässt und wir nach einer Minute Fahrt den ersten Pumphalt einlegen, gehört zu einer Clubtour dazu wie das Amen in die Kirche.
Bereits nach den ersten Metern führte uns die Routenwahl stetig bergauf, erst noch wenig zornig, immer der Teerstrasse folgend, ins schöne Kiental hinein. Der zweite Pumphalt fand dann, unter strenger Beobachtung zahlreicher Rindviecher, bereits fast beim ehemaligen Tschingelsee statt. Der Reifen schien dabei eine Art von Selbstheilungsfunktion zu besitzen, oder war ab so viel Zorn derart beeindruckt, dass er seine Luft fortan bei sich behielt.


Nun ging es langsam ans Eingemachte. Die steile Griesschlucht hoch verlangte nach kleinen Gängen und Kraft in den Beinen, wobei das Bestaunen des reissenden Griesbachs und die Kurvenkünste des Postautopiloten uns willkommene Pausen boten.


Im Berghaus Bundalp füllten wir unsere nachlassenden Energiespeicher mit Kafe und Gebäck auf, bevor es ab Bundläger endgültig zur Sache ging. Ab da wollten die Bikes nämlich geschoben und getragen werden und das nicht zu knapp!








Erst zwei Stunden später hatte die sehr zornige und schweisstreibende Pein über teilweise steile Treppen in Richtung Hohtürli mit dem erreichen der Blüemlisalphütte auf 2836m ein Ende.

Zeit für ein Zmittag! Von Suppe bis Raclette war alles dabei.
Nachdem uns der Hüttenwart Jürg seine Absolution erteilt hatte, gingen wir nahtlos über in den nicht minder zornigen aber deutlich spassigeren Teil des Tages. Die technisch knifflige Abfahrt hinunter nach Kandersteg zählt sicherlich zu den absoluten Highlights im Berner Oberland. Dafür lohnt sich die Schinderei bergauf allemal, wenn auch vielleicht nicht gerade jedes Wochenende.


Wir genossen jeden Meter der Abfahrt und liessen es aus unserer Sicht brav läuten.
Ob die zahlreichen Wanderer zornig wurden, wissen wir nicht, denn die meisten Sprachen verstanden wir sowieso nicht. Aber natürlich waren wir, wie sich das gehört, stets freundlich und rücksichtsvoll.
Trotz ausgeklügelter Ausweichversuche unsererseits nahm die Anzahl Touristen mit dem Näherrücken des Oeschinensees stetig zu und des öfteren wurde unser Flow etwas eingebremst, wenn wieder ein Influencer, auf dem Trail liegend, das Foto für die eine Million Likes schiessen musste.



Wir konnten uns ein schmunzeln jeweils nicht verkneifen. Ab der Bergstation Oeschinen hatten wir den Trail wieder ganz für uns allein und zündeten nochmals ein zorniges Feuerwerk! Wie das bei Abfahrten eben so ist, währte diese deutlich kürzer, als der Aufstieg und so fanden wir uns bald glücklich, unverletzt und defektfrei wieder unten im Tal.
Hm, vielleicht wären da doch noch einige Sekunden drin gewesen?
Der Rückweg von Kandersteg nach Reichenbach wurde von einer ausgiebigen Einkehr im Frutigresort unterbrochen. Als wir schlussendlich weiterfuhren, türmten sich fern über der Fritschi Swiss AG bereits pechschwarze Wolken und kündigten den Zorn des Petrus an. Mit den ersten scheuen Regentropfen erreichten wir wieder unsere parkierten Fahrzeuge. Blitzschnell waren die Bikes und Rucksäcke verladen und alles zur Abfahrt bereit.

Das wäre dann perfektes Timing gewesen und alle vier hatten sicherlich bereits eine tolle Geschichte der «Tour des Zorns 2025» im Kopf, die drei davon nie niederschreiben werden.
Tja wäre es, wenn da nicht eben diese eine fatale Armbewegung die Heckklappe des Autos voreilig hätte zuschlagen lassen. Denn nun zerrten alle panisch im mittlerweile strömenden Regen an den abgeschlossenen Türgriffen, während sich der Autoschlüssel im Auto drin befand.
Die Idee, das Kraftfahrzeug aufzusprengen wurde mangels passendem Sprengmittel und unverhältnismässigem Aufwand schnell verworfen.
Blieb also nur der Rückzug unter das Vordach von Fritschi und dem zornigen Aussitzen des Problems bis nach einer gefühlten Ewigkeit und zahlreichen weiteren Flüchen, der rettende Engel mit dem Ersatzschlüssel herbei eilte. Und wenn sie nicht gestorben sind, plagiieren sie noch heute über diesen heldenhaften Tag im 2025.
Bewegte Bilder zur Tour gibt es übrigens hier:
Danke! Das gibt richtig Lust selbst wieder den Zorn herauszufordern.
OK, einige Skills sollten aufgefrischt werden, denn allein mit entzürnten Fluchsalven fägt es dort auch nicht.
Ride on!
Hastalavista!
Tschou Mättu, gseht zornig guet us…. das wärs auso was du o mit em RC würdsch wöue mache…. ja das het wohl ke Zuekunft mit üsne Mitglieder, würde wohl trotz Racelette Fäde zie u bliebe stecke… Gruess u villech doch mit em Mauro ar HV, was sicher nid so zornig isc