Heute wollten wir unserem Endziel Val Susa einen grossen Schritt näher kommen.
Au revoir Café désolé pour 5€, benvenuto caffè machiato per 1.50€!
Bedeutete aber auch: a bientôt supertrail, buongiorno sentiero vaffanculo! Da es sich unsere Freunde aus Bella Italia bekanntermassen lieber im Rifugio gut gehen lassen statt sich stundenlang beim Ultratrailrunning zu schinden, präsentieren sich auch die Trails hier eher wie französische Montagsmodelle.
Oft schlecht unterhalten, selten begangen, Einstiege nur mit Glück, Erfahrung und GPS zu finden.
Da aber der Grossteil unseres heutigen Tages über französisches Hoheitsgebiet führte und auf der Karte keinerlei Hütten oder Restaurants eingezeichnet waren, machten wir uns keine Sorgen.
Nach einem p‘tit déj (sprich: ti däsch) in einem Café in Briançon ging’s via Altstadt und Bastille über eine alte Militärstrasse mit zahlreichen Spitzkehren obsi.




Accès interdit, entnahmen wir einer verwitterten roten Tafel am Strassenrand. Zwischen Dezember und April werde hier scharf geschossen. Immerhin also keine akute Todesgefahr. Merci, liebe Gallier.

Bedeutender für uns war, dass ein paar heftige Gewitter dem Weg arg zugesetzt hatten und wir nur mühsam und mit grossem Kraftaufwand vorwärts kamen. Doch je höher wir stiegen, desto besser wurde der Untergrund.
Auf 1900 müm bogen wir zu unserem Erstaunen in eine Asphaltstrasse ein. Man hätte also auch… aaaarrrrrrgh…
Nun, manchmal gewinnt man, und manchmal lernt man.
Anyway. Auf besagter Asphaltstrasse kletterten wir weiter, um auf 2100 müm in einen offensichtlich nur selten begangenen, teilweise zugewachsenen und ausgewaschenen Weg einzubiegen. Der uns auch noch eine Kletterstelle bereit hielt. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen schafften wir es schliesslich mit vereinten Kräften, sowohl uns als auch die beladenen Lastesel auf die andere Seite der Runse zu befördern.





Weiter ging’s- auch heute in bezaubernder Landschaft und bei Kaiserwetter- auf einem handtuchbreiten Singletrail über eine Hochebene, die mal bewirtschaftet sein musste. Davon zeugten Terrassierungen und ein grosses, verfallenes Anwesen.












Für kurze Zeit war gar kein Weg mehr sichtbar, bevor es auf nur noch taschentuchbreiten, teils tief eingeschnittenen Wiesentrails über die baumlose Hochebene Richtung Italien ging.










Ein paar Tiefenmeter später kamen sie uns bereits mit farbigen Badetüchern unter dem Arm und überdimensionierten Liegematten auf dem Rucksack entgegen:
„Salve, Buongiorno, forzaforza, dai!!!“ Benvenuti in Italia!
Noch eine kurze Gegensteigung, und wir bogen ein in den Trail, für den wir 1400 Höhenmeter bergauf pedalt waren.


Natürlich hätten wir ihn ohne unsere zuverlässigen Garmin-Uhren NIEMALS gefunden. Und natürlich forderte er von uns alles ab, was wir uns in den letzten 40 Jahren an Bike-Skills angeeignet hatten. Aber wir hatten Spass! Und schafften es sturzfrei ins Tal, wo wir in Cesana Torinese die erstbeste Gelateria enterten und das weitere Vorgehen bei Gelato, Cafè e Panaché besprachen.

Morgen wollen wir unbedingt noch den berühmt-berüchtigten Mont Chaberton bezwingen.

Ein 1800 Schotter-Höhenmeter langes Monster von einem Berg zu einem geschichtsträchtigen Gipfel.
Wir fuhren deshalb noch ein Dorf weiter, wo wir auf Google Maps ein Rifugio entdeckt hatten.
Selbstverständlich war niemand da und die Türe verschlossen.
Weil wir nun aber das Désolétenland gegen das Benvenutiland eingetauscht haben, entschuldigten sich die Gastgeber mit einem Wortschwall all Italianità für ihr Nichtdasein (wir hatten nicht reserviert!) und versprachen, schnellstmöglich da zu sein.

Die Stunde bis dahin verbrachten wir mit Wellness im nahen Bergbach.

Zusammen mit den Kochkünsten der ausserordentlich freundlichen und redseligen Mama hier im Rifugio Vernin in Fenils sollte das reichen für die morgige Schlussetappe. Schliesslich, das haben wir in Cesana Torinese auf einem Schild gelesen, befinden wir uns in der „Zona no kill“.

A domani.
Matteo e Danilo