Bikepacking Westalpen Tag 6: Slow-up, furious down.

Als wir gestern vernommen hatten, dass am Col D‘ Izoard heute „slow up“ (autofrei) angesagt war, stand unser Plan fest: Früh aus den Federn und gepäcklos die Supertour ab Izoard Passhöhe, die wir beide schon länger mal unbedingt abfahren wollten, unter die Stollenreifen nehmen.

Morgenessen gab es beim Bäcker

Gestern Abend hatten wir noch Servicearbeiten an Bremsen und Reifen durchgeführt, so dass wir die 1100 Höhenmeter bis zur Passhöhe gemeinsam mit Hundertschaften der Gümmelerzunft im Flugmodus absolvierten. Also eher easy up als slow up.

Auch Rollskifahrer mussten dran glauben

Oben angekommen erwartete uns – wir trauten unseren Augen und Ohren nicht – ein Alphornkonzert! 

Nach ein paar Fotos und Videos ging‘s zuerst ein paar Kilometer Pass-abwärts bis zum Col de Platrière, bevor wir links auf den gelobten Trail abbogen. Vorerst bergauf, aber stets in umwerfend schöner Landschaft. Immer wieder erinnerte uns auch die heutige Strecke stark an den Coloradotrail.

Die Wollenknäuel hatten heute ebenfalls slow-up

Kaiserwetter, keine Seele weit und breit, ein Trail wie von einem Künstler in den Hang gepinselt.

Nach 200 Höhenmetern ging’s zum ersten Mal bergab – da waren sie wieder, die Glückshormone und Königsgefühle! Wow! Sowas hatten wir bisher in Europa nicht gesehen!

Viele Kilometer lang verlief der Weg auf der Krete, bevor er steil und staubig talwärts stach.

Mit heissen Federelementen, glühenden Bremsen und nicht mehr enden wollendem Grinsen erreichten wir nach knapp zwei Stunden wieder die Izoard-Passstrasse. Diesmal aber auf der Südseite. 

Nun folgte der wahre slow-up. 1100 Höhenmeter am Stück auf einer zäh rollenden, holprigen Forststrasse zum Col du Furfande auf 2500 müm. Und wir waren auch nicht alleine.

Fast nicht zu glauben, wie viele Franzosen da mit ihren frontgetriebenen Renault Clios oder Citroën C3 hoch geholpert sind, um ins 200m tiefer liegende Refuge zu stolpern.

Bei uns hingegen war nun Flugmodus angesagt! Knapp 20 km und 1800 Höhenmeter nonstop Downhill auf allerfeinsten, staubtrockenen und mediterran duftenden Trails! Zuerst flüssig, zum Schluss ausgesetzt, steil und rutschig in einer tief eingeschnittenen Schlucht.

Nach dem abrupten Ende unseres gestrigen Tagesabschnitts war das nun die Königsetappe unserer Tour.

Nicht wegen der 3000 Höhenmeter, sondern wegen Trails und Landschaft, die nur ein Prädikat verdienen: Königlich!

Slow up und trotzdem KOM – soll uns mal einer nachmachen.