(Für alle, die weder auf Strava noch im Velobusiness heimisch sind: KOM, also King of the Mountain, wird neudeutsch für den Bergpreiskönig verwendet.)
Unser Tag begann schon mal ziemlich gut. Der Wind blies kräftig von hinten, die Temperatur war angenehm und die Passstrasse zum Galibier wenig befahren, gut rollend und moderat steil.
Gute Voraussetzungen also für die heutige Königsetappe.


Als wir auf 2000 müm links in eine Schotterstrasse abbogen, machten wir uns auf das Schlimmste gefasst. Wir hatten Karte und Höhenprofil genau studiert und wussten: Die heutige Etappe ist nichts für Eisdielenradler oder Badibiker.
Doch die alte Militärstrasse, welche uns bis zu einem alten Fort brachte, war überraschend gut zu fahren.



Zu unserem grossen Erstaunen war ein Bautrupp offenbar daran, den Fort wieder in Betrieb zu nehmen und sogar noch durch einen Neubau zu ergänzen.







Oben auf dem Pass – er war Bestandteil der Maginot-Linie und im Juni 1940 Schauplatz der blutigen „Bataille des Alpes“ gegen Mussolinis Truppen – war es zum ersten Male auf unserer Tour so kühl, dass wir uns die Mühe nahmen, in unserem Gepäck nach Gilet oder Langarmtrikot zu wühlen.


Die Szenerie mit den zwei Seen, den Dolomiten-ähnlichen Bergspitzen und dem tiefblauen Himmel war gigantisch. Nach ein paar Fotos ging’s weiter auf wunderbaren Trails vorbei an zahlreichen kleinen Seen, über mehrere kleine Pässchen ins Département Provence.





















Wir fotografierten, was unsere iPhones hergaben und gaben unseren vollgefederten Streitpferden die Sporen! Das war ganz klar das bisherige Highlight unserer Veloreise.

Als wir schliesslich nach einer längeren Abfahrt in den „Chemin du Roi“ einbogen, waren wir uns sicher: Heute waren WIR die Könige hier oben!
Ein Höhenweg der Marke „Royale“! Gepusht vom Rückenwind, behütet vom eisgepanzerten Barré des Écrins (südlichster 4000er der Alpen) und beobachtet von Edelweiss am Trailrand.








Doch seit 1789 wissen es die Könige in Frankreich: Die Regentschaft kann unvermittelt zu Ende sein.
Fast aus dem Nichts spürten wir plötzlich ein paar Tropfen aus den schwarzen Wolken hinter uns.
Der Rückenwind, dessen Unterstützung wir uns den ganzen Tag sicher sein konnten, wurde plötzlich zu unserem Feind. Es gab nur noch eins: Flucht nach vorn bzw. nach unten. Vor lauter Fluchtreflex verpassten wir leider auch den Abzweiger in den Schlusstrail, schossen stattdessen die Alpstrasse runter und stürmten klatschnass ins erstbeste Restaurant.



Wie Louis XVI während der Französischen Revolution spürten wir, dass unsere königliche Zeit wohl abgelaufen war.
Nach einer einstündigen Zwangspause erreichten wir schliesslich dann aber unser Tagesziel Briançon, wo wir in einem günstigen Hostel in einem 8er-Schlag eingecheckt haben.
Könige residieren anders, keine Frage. Aber morgen, das spüren wir, werden wir nochmals KOM!
Salutations royales,
Mat&Dani