Bikepacking CT Tag 2: Maschinengewehrfeuer zum Zmorgä, saure Beine zum Zmittag und mehLAN zum Znacht

Mr. Jetlag hatte uns diese Nacht in Ruhe gelassen. Und einer von uns beiden hatte sogar sehr gut geschlafen auf 2400müm in unserem 700g-Zelt.

Geweckt wurden wir um 06.00 Uhr von Sonnenstrahlen, Krähengeschrei – und Maschinengewehrfeuer.

Schon gestern Abend beim Lagerfeuer hatten ein paar Schiesswütige mehr Munition in den Wald gefeuert, als die Schweizer Armee wohl an Vorrat bunkert. Naja, jedem Land seine eigenen Kulturgüter.

Nachdem wir unser Raisin-Bred mit Mandelbutter und die Hälfte unserer mitgeschleppten Tortillas verdrückt, das Zelt wieder eingerollt und die Carbonrössli beladen hatten, ging’s weiter auf dem Coloradotrail.

Die große Höhe und das ständige Auf und Ab sind wir nicht gewohnt, und schon auf den ersten Metern waren die Beine “sauer” und die Lunge am Limit. Obwohl es natürlich äußerst spassig zu fahren ist. Wandern – und das tun die meisten, denen wir begegnen- würden wir den Coloradotrail für kein Geld der Welt.

Was wir hingegen täglich gerne hätten, wären die Trail-Engel, denen wir um die Mittagszeit begegneten: Ein Zelt im Wald mit free food&drinks für alle, die vorbeikamen! Einfach so, weil’s Mittwoch war. Oder so. Herausgefunden haben wir den Grund nicht. Verschmäht haben wir Chips, Törtli und Cola natürlich trotzdem nicht.

Weiter ging’s zum Wellington Lake. Der lag zwar nicht direkt an unserer Strecke, doch die Aussicht auf ein erfrischendes Bier&Bad im See waren uns ein paar Extrameilen wert. Schließlich hatten wir gestern sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

Nun, der See entpuppte sich als privater Zeltplatz. Und statt Bier&Bad gab’s vier saure Beine auf der Wellblechpiste zurück zum Trail.

Besagter Trail war heute eigentlich zu Ende, da eine Wilderness-Area folgte, in welcher Biken leider verboten ist. Das wussten wir zum Glück, und Mat hatte in weiser Voraussicht eine Unterkunft in Bailey gebucht. Die Fahrt dahin – “all downhill”, hatte man uns versichert, entpuppte sich als üble Wellblech-Schotterpiste. Die zwar schon häufig bergab führte, jedoch wegen der Bremsrillen ziemlich mühsam und anstrengend war.

Auch nicht unbedingt gebraucht hätten wir die giftigen Gegenanstiege, die stiebenden Pickups und die “worst ever” Melone, die wir uns im “Rosalie’s Market” gekauft hatten.

Gut, wir hätten wissen müssen, dass im Lande des Fastfoods eine Melone nur zur Dekoration im Laden taugt. Der Verkäufer hatte dann Mitleid mit uns europäischen Gesundheitsfanatikern und erstattete uns 4$ zurück.

Mal sehen, was es heute Abend noch zu essen gibt. Nach zwei Tagen in der Wildnis haben wir eine Lodge und ein Nest namens “Bailey” gefunden. Da gibt’s erstens eine Dusche, zweitens ein Pub und drittens sicher mehLAN als gestern auf unserem Wildcampspot.

Mat hatte nämlich auf der Suche nach Handy-Empfang für unseren Blog noch eine ganz ordentliche Zusatschlaufe absolviert. Gut, entdeckten wir das Schild mit dem Hinweis, dass man wegen der nahen “Rifle-Ranch” den Trail nicht verlassen dürfe, erst heute Morgen…

Jetzt ist erst mal chillen angesagt! Gähn…