Eigentlich begann er schon gestern Abend, der Beistand der Engel. Die Unterkunft war super, der Pilz-Risotto sagenhaft, heute Morgen ein Grand-Déjeuner.
Nach dem knüppelharten Bonhomme gestern waren wir froh, dass der erste Aufstieg auf Asphalt, im Wald und mit moderater Steigung erfolgte. Die einzige Barrage heute war die am Lac de Saint Guérin – eine Staumauer.


Auf dem Cormet d’ Arêches hatten wir bereits 1100 Höhenmeter absolviert. Und weder mit Désoléten, noch Gummistiefelfurien oder Hitzeschlägen gekämpft.



Guten Mutes bogen wir für die letzten 300 Höhenmeter rechts auf einen Wanderweg ab. Wanderweg? Da waren nur Blacken und ein plätscherndes Bächli zu sehen. Dann halt. Wir hatten ja schlaue GPS-Uhren und noch Übung im Bikebergsteigen von gestern.


Aber je höher wir kletterten, desto offener und fahrbarer wurde das Gelände.
Und wir wussten: Egal, welche Barragen uns das Leben noch schwer machen würden: Vom Col de la Grande Combe erwartete uns eine 2000 Höhenmeter-Trail-Abfahrt bis ins Tal der Isère!










Nachdem wir uns in einer eigentlich geschlossenen Skihütte auf 2080 Metern, dank einer zuvorkommenden Hüttenwartin, nochmals mit Crèpes und Sirup gestärkt hatten, jagten wir auf super schönen, handtuchbreiten Wiesenpfaden weiter talwärts.








Unten im Tal auf 400müm erwarteten uns 34 Grad Temperatur, öde Industrieruinen und keinerlei Einkaufs- oder Verpflegungsmöglichkeiten.
Keine Frage, das Tal hatte schon bessere Zeiten.



Wir setzten uns auf die Terrasse eines geschlossenen Restaurants mit einer grossen grünen „OUVERT“-Tafel und fragten Madame Google um Rat.
Bis plötzlich ein Engel erschien!
Eine engelsblonde Dame, offensichtlich La Patronne du Restaurant, fragte uns, ob wir gerne einen Teller Salat oder ein Sandwich hätten. „Magnifique, 2 assiettes et 2 sandwiches svp!“
Sie meinte, sie frage ihren Sohn, und wir sollten doch in den klimatisierten Saal reinkommen.
Den Reissalat mit Melonen und Crudo muss der Engel Gabriel himself zubereitet haben – er schmeckte himmlisch und füllte auch unsere leer gefahrenen Sportlermägen komplett. Auch wenn Madame Engel ungläubig den Kopf schüttelte – wir bestellten noch je ein Sandwich.

Und so nahmen wir dann frisch gestärkt die nächsten Höhenmeter zur Skistation Doucy, teamintern Superdoucy genannt, unter die Stollen.
Monsieur Booking und Madame Google hatten uns erzählt, dass es da oben einen bis 20 Uhr geöffneten Supermarkt plus ein Hotel gebe.
Bei Lichte besehen war es allerdings so, dass es donnerte und Madame Engel relativ vehement entgegenhielt, da sei erst nächstes Wochenende Saisonstart und momentan noch alles geschlossen.
Da wir aber noch Kraft, ein grosses Engelsandwich am Lenker und 2 Portionen Zuversicht dabei hatten, pedalten wir obsi.
Oben angekommen, war, wer hätte das gedacht, „Sherpa Supermarché“ fermé und ausser einer Baustelle für eine neue Sesselbahn keinerlei Lebenszeichen auszumachen. Wir hörten Frau Engel, zwischen den Donnerschlägen, regelrecht auf dem Stockzähnen lächeln.


Während Mat mit Madame Google flirtete, hielt Dani Ausschau nach Notschlafstellen in Spielplatzhäuschen oder unbewohnten Balkonen.
Bis er plötzlich in einem Innenhof Engel Numéro deux entdeckte. Die bereitete ein Appartementshaus auf den kommenden Saisonstart vor – und bot uns für 39€ ein Studio mit Bad, TV, Küche und Bettsofa an! Nachdem wir bezahlt hatten, fragten wir gaaaaaanz vorsichtig nochmals nach, ob es denn keine Möglichkeit gäbe, irgendwo ein Pack Teigwaren aufzutreiben.
Ein Telefon und 5 Minuten später erschien Engel Numéro trois und – ÖFFNETE EXKLUSIV FÜR UNS DEN SUPERMARCHÉ!


Kaum waren wir vom Einkauf zurück in unserer Engelsbehausung, öffnete Petrus standesgemäss seine Schleusen.
Was für ein Tag – schaut euch die Bilder und unsere Gesichter an! Vive la France!