Wir waren gespannt, welche Hindernisse uns die Désoléten heute in den Weg stellen würden.
Spoiler: Wir wurden nicht enttäuscht.
Es begann schon vor dem Frühstück. Mme Google empfahl uns eine Croissanterie in 4min Velodistanz. Sie entpuppte sich als vermutliche Autobahnratstätte. Jedenfalls waren sämtliche Wege, die in diese Richtung führten, mit haushohen Gittern und Schranken verbarrikadiert.
Nach einer halben Stunde waren wir zurück auf Feld 1 und Mme Google spuckte nun aus unerfindlichen Gründen ein „Café de la Gare“ in einem Kilometer Entfernung aus.
Die Einrichtung war klasse, das Pain au Chocolat ebenfalls. Nur war dem Personal das Sprechen in Schweizer Tempo unbekannt. Aber schliesslich und endlich kriegten wir zwei Omeletten, eine Baguette und 2 Cappuccino-ähnliche Heissgetränke.

Dermassen gestärkt ging’s motiviert auf den ersten Trail. Der schon nach wenigen Metern verbarrikadiert war. Wir umkletterten noch eine weitere Wegsperrung, um schliesslich auf eine asphaltierte Nebenstrasse zu gelangen.


Unschwer zu erraten, was uns dort nach 100 Metern erwartete: Route barré! Und zwar richtig, um- oder überklettern unmöglich!



Déviation wär: zurück nach Chamonix, unserem Startort.
Nun, wir vergassen kurz sämtliche Französischkenntnisse, überwanden die Leitplanken und setzten unsere Fahrt auf der Autobahn fort!


Zu unserem Erstaunen folgte nicht ein Dauerhupkonzert, sondern nur ein einziger Autofahrer, der uns zu erklären versuchte, dass nach der nächsten Ausfahrt ein Radweg leicht erreichbar sei.
Dummerweise verstanden wir ihn aber ja nicht.
Nach besagter Ausfahrt folgte tatsächlich ein längerer Abschnitt, mehrheitlich leicht bergab, auf einer gemütlichen Nebenstrasse.


Gefolgt von einem Anstieg, ebenfalls asphaltiert, bis nach Saint Gervais.

Kurz unterbrochen von einem metallischen„Pling!“ an Danis Hinterrad. Speichenbruch bergauf. Auf der Bremsseite. Noch nie erlebt in 40 Velojahren.
Ob da nachts ein Désolétenhörnchen dran geknabbert hatte?
Nun, da es auch ein Bikeleben mit 63 Speichen gibt, pedalten wir weiter auf immer anstrengenderen Trails bis auch dieser plötzlich mittels Gitter und Entschuldigungsmitteilung versperrt war.



Die Strasse halt als Umfahrung. Im bekannten Skiort Les Contamines, wollten wir uns was zu beissen kaufen. Tat Mat auch. Dani suchte unterdessen seine spurlos verschwunden Bikehandschuhe und fuhr nochmals einige Kilometer den Wanderweg bergab. Leider keine Spur von grünen Fox-Handschuhen.
Ob da Louis Mandrin seine Hände im Spiel hatte? Der französische Robin Hood wird bis heute hier in Savoyen verehrt.
Zum Glück gab‘s in Les Contamines schnell Ersatzhandschuhe.

Denn nun stand uns eine RICHTIGE Barrage im Weg: Der brutale Aufstieg zum Col du Bonhomme. Mehrheitlich mit letztem Einsatz fahrbar, aber leider auch mit einigen Schiebe- und Tragepassagen. Mit unseren vollgepackten Carbonmaultieren nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen könnte.









Ziemlich ausgepumpt erreichten wir nachmittags um vier die Passhöhe. Immerhin hatten uns Les Bleus heute keine nuages noires geschickt. Wir konnten also die folgende Weltklasse-Abfahrt in vollen Zügen, ohne Gewitterangst geniessen.









Bis, ihr ahnt es, die nächste Route barré folgte.
Diesmal allerdings in Form einer Furie in Gummistiefeln. Gewürzt mit original französischer Gastfeindschaft!
Obwohl wir minutenlang kein Wort sprachen und so taten, als würden wir weder sie noch die Welt verstehen, war ihre Botschaft unmissverständlich: Chemin barré, retour!!!
Spätestens auf dem nächsten Pass, dem Col du Pré, war der Ärger vergessen.



Und statt Route barré waren nun sentiers magnifiques angesagt!
Ein ewig langer Hammertrail runter in den Skiort Arêches.



Hier findet mit der Pierra Menta jährlich im März das wohl prestigeträchtigste Skitourenrennen statt.
In einer perfekten Parallelwelt checkten wir ins erstbeste Hotel ein.
Hier natürlich nicht. Désolé. Wer hätt‘s gedacht.
Für heute war das aber glaub, hoffentlich, eventuell, höchstwahrscheinlich die letzte Barrage, die man uns in den Trail gestellt hatte.
A demain,
Mat&Dani