Nach der Königsetappe gestern war heute erstmals “Krönchen richten” angesagt.
Die Nacht in unseren Papierschlafsäcken war wieder ziemlich frisch – doch langsam scheinen wir uns dran zu gewöhnen.
Der Anblick unserer mit Raureif überzogenen Bikes haute uns aber heute Morgen fast aus den Socken – die wir natürlich zum Schlafen nicht ausgezogen hatten.



Trotzdem machten wir uns zeitig auf den Weg. Zuerst hiess es Wasser filtern für den heutigen Tagesabschnitt. Zu unserem Glück stiessen wir schon nach wenigen Minuten auf ein kaltes Bächli. Im Gegensatz zur Schweiz darf man hier wegen des berüchtigten Beaver-Fievers nie direkt aus einem Bach trinken, sondern benötigt stets Micropur-Tabletten oder Wasserfilter.
Dann noch ein Riegel zum Zmorgä und los ging’s.





Natürlich nach wenigen Minuten schon mit Maximalpuls einen Trail bergauf.
Allerdings stand heute wieder mal die Umfahrung der (letzten!) Wilderness auf dem Programm, und somit auch ein gehöriger Anteil staubiger Schottertstrasse.
Vor allem aber ein völlig neues Landschaftsbild! Plötzlich lagen uns unendlich wirkende, baumlose Hochebenen zu Füssen, in denen kleine Flüsse mäanderten. Bei den Dome Lakes sogar eine Kolonie Pelikane!








Das alles auf gut rollender, praktisch verkehrsfreier Schotterstrasse mit stetem Rückenwind. Eine Wohltat für unsere leicht angezählten Körper.
Natürlich, wir sind wegen der Trails hierhergekommen, und Strassen fahren finden wir beide ziemlich langweilig. Aber für heute genau das Richtige.

Noch richtiger aber kam uns Alejandro. Um die Mittagszeit, wir hatten doch bereits wieder 3-4h biken in den Beinen, meldeten sich langsam Durst&Hunger. Da kam uns das erste Haus seit gestern Morgen, eine ziemlich heruntergekommene Rinderfarm, wie gerufen. Wir fragten den Arbeiter, welcher der englischen Sprache definitiv weniger mächtig als wir zu sein schien, nach Trinkwasser.

Es endete in Alejandros noch nicht fertig gestellter Hütte mit einem veritablen Festessen, das er uns freigiebig offerierte. Und jegliche Bezahlung strikte ablehnte. Es stellte sich heraus, dass Alejandro ein peruanischer Wirtschaftsflüchtling mit Visum bis November war, der sich für ein paar Dollars den 1000 Schafen und 400 Kühen widmet. Der Chef komme einmal im Monat vorbei und wohne vier Autostunden entfernt. Er selbst habe Familie und 2 Kids in Peru, da finde er aber keine Arbeit mehr.

Wir staunten nicht schlecht – Leute wie ihn würden unsere Alpsennen mit Handkuss anstellen und ihnen wohl das Zehnfache bezahlen…
Nun, wir versteckten ihm 20$ unter seiner Mayonnaise-Büchse, bedankten uns von Herzen und radelten weiter über den Los Pinos Pass.






Weitere 40km Gravelroad. Und wir trafen: genau 3 Autos, 3 Motorräder, 3 Offroadbuggies und 3 Velofahrer. Einen von ihnen überholten wir bergauf. Um kurze Zeit später zu erfahren, dass er wie wir den Coloradotrail fährt. Mit einem Singlespeed-Bike (will heissen ohne Schaltung, mit genau EINEM Gang!!!).
Jedem das Seine im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die 75km gestern dürfte er aber zu 90% schiebend bewältigt haben.
Anyway. Zum Glück hatte ich Reiseführer und IT-Profi Mat dabei. Der hatte nämlich auf Google Maps mitten in der Prärie die „Cathedral Cabins“ ausfindig gemacht! Trotz fehlender Hinweisetafeln und beängstigender „Private Land, NO PASSING“ Tafeln trafen wir am Nachmittag dann auch hier ein.

Und staunten Bauklötze. Und wussten: Heute sind wir im Wunderland!
Übernachtung im Wohnwagen, Dusche, Waschmaschine, Top ausgestatteter Laden – davon hatten wir nicht mal zu träumen gewagt.


Und – guess what – während ich diesen Blog schreibe, zieht grad ein heftiger Schauer über die Region. Gestern um die gleiche Zeit wär’s so ziemlich ungemütlich geworden.

Aber da waren wir ja auch nicht im Wunderland.
Grandios was Ihr da täglich leistet!
Geniesst es weiter & danke das Ihr Eure Erlebnisse täglich in so witziger Form mit uns teilt. So lässt es sich jeden Morgen mit einem Schmunzeln im Gesicht aufstehen!
Weiter gutes Gelingen & zauberhafte wenn auch manchmal arg strapazierende Tage! Ihr seid Weltklasse!